Erfahrungsberichte

Hier findet ihr Erfahrungsberichte von ehemaligen Austauschschüler_innen die nun zurück in Österreich sind.


Auslandsjahr in Irland, Evelin Balogh 7C

Eigentlich war es eine ziemlich spontane Idee von mir. Ich hatte damals keine Ahnung wo ich anfangen sollte mit der Planung und Organisationssuche bis Lisa, eine Freundin von mir, die auch ein Auslandsjahr geplant hat zu dem Zeitpunkt, mich da mitreinzog. Da saß ich nun, eines Abends am Esstisch und wusste nicht, wie ich es meinen Eltern beibringen sollte, dass ich mich schon fast halb angemeldet habe. Meine Mutter war sehr begeistert, sie selbst war damals für ein Jahr in den USA, als einzige ungarische Austauschschülerin an ihrer ganzen Schule.

Nach der Anmeldung kam es zu einem Interview. Darauf folgten sehr viele Zettel und Formulare zum Ausfüllen und dann endlich, im Jänner die Nachricht, dass sie angefangen haben nach einer Schule für mich zu suchen. Dann hieß es warten. Es folgte ein Vorbereitungsseminar Anfang Mai. Einige hatten zu dem Zeitpunkt schon von ihren Gastfamilien gehört. Ich gehörte aber nicht zu den Glücklichen. Dann, etwa einen Monat vor meiner Ausreise kam die lang erwartete Email. Ehrlich gesagt habe ich Freudentränen geweint. Plötzlich ging alles schnell und es fühlte sich zum ersten Mal wirklich real an.

Fast forward zum 23. August. Ich sitze alleine beim Gate um 5:30 und schreibe noch einen letzten Blogeintrag auf österreichischem Boden. Zuerst ging mein Flug nach Frankfurt, von wo ich dann mit einer Gruppe von Austauschschülern der gleichen Organisation weiterflog. In Dublin hatten wir erstmal drei Tage Orientation Days. Wir hatten ein gemeinsames Programm, bevor am 26. August alle weiterfuhren zu ihren Gastfamilien. Ich hatte Glück, da ich gleich in Dublin (Grafschaft, nicht Stadt) gelebt habe, hat mich mein Gastvater direkt abgeholt. Der berüchtigte Irish Accent war für mich die erste Hürde. Mein Gastvater war ein echter Dubliner und hat auch wirklich so gesprochen. Es hat einige Wochen gedauert, bis ich alles verstand was er sagte. Angekommen hat mir meine Gastmutter mir sofort mein Zimmer gezeigt und auch noch am selben Tag zu einem Camogie-Spiel mitgenommen. Ich habe mich gleich zuhause gefühlt.

Die ersten Tage/Wochen sind vielleicht die aufregendsten. Alles ist neu, alles ist unbekannt, vieles ist einschüchternd. Ich kannte niemanden, wusste nicht wie ich von A nach B komme. Man ist in dieser Zeit aber auch so beschäftigt, dass man seine Familie und Freunde daheim gar nicht vermisst.

Ich habe mich schnell mit anderen Austauschschüler_innen angefreundet, vor allem aus Spanien. Der anfängliche Kontakt mit den Natives war ein bisschen schwer, da die meisten meiner Klassenkameraden dort sich eher wenig für uns Internationals interessierten. Was mir persönlich geholfen hat war mich so viel wie möglich einzubringen. Ich hatte am Anfang nicht den blassesten Schimmer wofür ich mich da gerade gemeldet habe aber ich bin mit der Einstellung „Raus aus der Komfortzone, du wirst es schon lernen“ reingegangen. So war ich dann schon bald voll durchgeplant. Ich war im Debate Team, im Athletics Club, habe das Gaisce (the President’s Award) mitgemacht, habe den Tauchschein gemacht (ja, das Meer dort war eisig), beteiligte mich beim Musical und schrieb nebenbei einen Blog über meine Zeit in Irland. Ich habe sehr viel Volunteer Work gemacht und war bei fast allen Ausflügen und Projekten dabei. Da ich im Transition Year (equivalent zu unserer 6. Klasse, aber nicht akademisch, also keine Schularbeiten, etc.) war, lag der Fokus auf Projekten und Persönlichkeitsbildung. Eigentlich perfekt, um Land und Leute besser kennen zu lernen.

Ich hatte noch den Vorteil, dass ich am Anfang meines Aufenthaltes 16 wurde. Ab dem Alter darf man in Europa alleine Reisen und in Hotels übernachten. Das nutzte ich natürlich voll aus, vor allem da meine Gasteltern der Meinung waren ich sei verantwortungsvoll und selbstständig genug alleine loszuziehen.

So nutzte ich Wochenenden und Ferien um nicht nur Irland zu erkunden, sondern auch zweimal in die UK rüberzufliegen, einmal nach London und dann nach Edinburgh, meine österreichische Klasse auf ihrer Sprachreise zu besuchen. Ich war in Belfast, unten in Cork, drüben in Galway, hab die berühmten Cliffs of Moher gesehen und war beim Giant’s Causeway. Ich habe im Rahmen vom Gaisce eine zweitägige Wanderung mit meinen Mitschüler_innen in Glendalough gemacht. Was Landschaft angeht ist Irland wirklich traumhaft.

Abschließend möchte ich nur noch sagen das es die beste Entscheidung meines bisherigen Lebens war, ins Ausland zu gehen. Falls ihr einen detailreicheren Bericht haben wollt könnt ihr gerne mal bei meinem oben erwähnten Blog vorbeischauen, den ich in Irland geführt habe.

Link zu meinem Blog: exchangeexperiencesireland.jimdo.com


Auslandsjahr in den USA, Lisa Kollarz 7C

Wie wars?
Diese Frage habe ich über die letzten Monate oft gestellt bekommen, als Menschen erfuhren, dass ich ein Jahr im Ausland verbracht habe. Nun wie wars? Bis heute habe ich keine passende Antwort auf diese Frage gefunden. „Es war toll“ ist was ich auf diese Fragen meistens antworte, aber wie soll man ein ganzes Jahr von Erfahrungen und Erlebnissen in ein paar einfache Sätze fassen? Nun, das will ich heute versuchen. Bis vor etwa 3 Jahren hätte ich niemals erwartet, dass ich einen Austausch machen würde. Auch wenn ich jetzt zurück schaue bin ich oft noch fasziniert, dass ich für ein ganzes Jahr alles hinter mir gelassen habe, meine Familie, meine Freunde, mein ganzes gewohntes Umfeld, um ein Jahr im Ausland zu verbringen. Doch dieses Jahr zählt zu den besten Erfahrungen meines Lebens.

Das ganze Jahr habe ich immer wieder Fragen bekommen, bei denen ich mir bis heute nicht sicher bin, ob sie ein Witz hätten sein sollen oder ob sie ernst gemeint waren. Die besten davon: „Ist Trump auch der Präsident von Österreich?“ „Wie kommst du wieder zurück nach Österreich?“ „Oh das liegt doch im Norden von der USA, oder?“ „Welche Sprache sprichst du?“

Über das ganze Jahr hinweg hat es mich mehr und mehr fasziniert wie wenig die meisten über den Rest der Welt wissen. Auch in all den Klassen, die ich hatte, war fast nie die Rede von irgendetwas anderem außer Amerika.
Dennoch haben mich alle sehr nett aufgenommen und waren sehr interessiert etwas über meine Kultur zu lernen. Ich habe sehr viele neue Freundschaften geschlossen und bin auch immer noch im Kontakt mit meinem damaligen Gastvater – durch dieses Austauschjahr habe ich ein zweites zu Hause am anderen Ende der Welt bekommen!

Auslandsjahr in den USA, Denny Cheng 7F

Für viele muss es sich sicherlich verrückt anhören.

„Aso, du willst ein Jahr wo anders sein?“

„Ja, es hört sich schon verlockend an, aber ich überleg es mir noch genauer.“

Zack, man ist irgendwo anders auf der weiten Welt. Natürlich hat man zuerst Sorgen auf der Hand. Komm ich in der Schule mit? Werde ich nicht Deutsch verlernen (die Antwort ist ja aber es kommt zurück)? Überleb ich ein Jahr ohne meine Freunde? Jedoch ist so eine einmalige Erfahrung solche Problematiken wert.

Meine Reise dort hört sich von Anfang an schon etwas verrückt an. Ich war in Chicago gelandet, hab mit anderen Leuten aus der ganzen Welt drei Stunden von 10 Uhr Abends bis 1 Uhr früh auf einen Busgewartet, nur um eine Stunde später mitten im Nirgendwo schlafen zu gehen und am nächsten Tag wieder weiter zu fahren. Doch für solche Erlebnisse lebt man. Je skurriler, desto besser. So habe ich einige meiner besten Freunde, die ebenfalls mit der Organisation AFS dort waren, in den USA kennen gelernt, die selbst nicht von dort sind. Sie kamen von überall: Deutschland, Italien, der Türkei, Finnland, Indien und vielen anderen Orten. Alle haben etwas gemeinsam. Niemand weiß was sie hier machen sollen. Hin und wieder gab es AFS treffen, wo wir uns sehen konnten und wir teilten die schrägsten Geschichten miteinander von witzigen Fragen die ihnen gestellt wurden, bis zu Rührei mit Salsa als Frühstück. Falls jemand sich am falschen Ort fühlte, ging es ihnen sofort besser nachdem man Artgenossen getroffen hat.

Jede Schule ist unterschiedlich. Aber am Ende sind sie immer noch gleich: es gab auch dort die Witzigen, die Komischen, die Klugen, die Sportlichen usw. Das Beste ist, niemand kennt einen und man zu jedem dazugehören zu denen man dazu gehören wollte. Viele sind oft offen zu einem, weil man der oder die Neue ist. Falls jemand schon immer ein anderes Image ausprobieren wollte, das wäre die Chance.

Die ganze Welt ist anders und es gibt so viele verschieden Dinge zum Erleben. Einige meiner Erlebnisse, die ich nur in den USA sammeln konnte, sind: American Football spielen, Homecoming, für ein Schulteam schwimmen, Stabhochspringen und Graduation/eine zeremonielle Abschlussfeier.

Also worauf wartet ihr noch? Es gibt eine riesige Welt zu entdecken. Viele Dinge sind anders als in unserem herkömmlichen Leben, doch Veränderungen sind meistens schön.