Warum du das Gespräch mit Leuten suchen solltest, die dich hassen

von Evelin Balogh

Okay, das klingt jetzt wahrscheinlich sehr abwegig. Glaub mir, ich war zuerst auch skeptisch. Aber also ich dann vor einiger Zeit auf den Podcast von Dylan Marron namens „Conversations with People who Hate me“ gestoßen bin, hielt ich inne. Dylan Marron ist Aktivist, Youtuber und generell eine sehr empowernde Person. In seinem Podcast ruft er die Leute an, die ihm negative Kommentare unter seinen Videos oder seinen Social Media accounts hinterlassen haben. Vor allem sein antirassistischer Aktivismus erregt solche unerwünschte Aufmerksamkeit und viele beschimpfen ihn bis aufs Ärgste. Nun, er hat sich gedacht, dass er die Leute mal anruft und fragt, ob sie zu einem Gespräch bereit wären wo sie sich einfach mal austauschen und kennenlernen. Später hat er auch einen Ted Talk dazu gemacht, den es sich wirklich lohnt anzuschauen.

Nun, langsam schob ich Dylan’s Idee von mir weg. So im Sinne von „cool, aber whatever“. Bis ich dann vor Kurzem wieder damit konfrontiert wurde.

Ihr müsst wissen, ich habe seit September mein Leben ziemlich radikal verändert, vor allem was so Zielsetzung, Zielstrebigkeit, meine eigenen Ideen umsetzen und so weiter angeht. Um es kurz zusammenzufassen: Ich mache seitdem mein eigenes Ding.

Aber sowas kommt leider nicht bei allen positiv an. Ich mache auch keinem Vorwürfe. Auch muss ich sagen, dass ich am Anfang nicht unbedingt wusste, wie ich damit umgehen sollte und oft auch komplett falsch reagiert habe. Irgendwann aber bin ich auf einen weiteren Ted Talk gestoßen (Leute ihr merkt es, ich hab eine dezente obsession) von Özlem Cekic, einer dänischen Politikerin. Ihr Talk heißt „Why I have Coffee With the People who Send me Hate Mail“ und brachte Erinnerungen hoch von dem Podcast. Özlem Cekic redet darüber, dass meist von beiden Seiten starke Vorurteile herrschen und jede_r so verharrt auf seinen oder ihrem Standpunkt ist, dass alles und jede_r, der diese Glaubensätze gefährdet zum Feind oder zur Feindin wird. Für eine tolerantere, offenere Gesellschaft müssen wir uns auch mal aus unserer Blase begeben, neue Seiten kennen lernen, auch wenn wir danach bei der gleichen Meinung bleiben. Es geht darum, dein Gegenüber zu vermenschlichen, Empathie einzubringen und Gemeinsamkeiten zu finden, anstatt sich auf Verschiedenheiten zu konzentrieren.

Özlem Cekic und Dylan Marron sind beide eine große Inspiration für mich, denn eine Sache, die ich in den letzten Monaten lernen durfte war, dass ich nur mit Verständnis, Empathie und der Suche nach dem was uns verbindet wirklich meinen Frieden finde.

Klar es gibt Grenzen. Es gibt einen Unterschied ob du jemanden nicht ausstehen kannst, weil er oder sie dich verletzt mit seinem/ihren Handeln oder weil er oder sie denkt, dass einige Menschen aufgrund von Religion, Ethnie, Geschlecht, Sexualität, etc. weniger Wert ist. Ich will in keinster Weise sagen, dass du solche diskriminierenden und wirklich gefährlichen Ideologien akzeptieren sollst oder musst. Trotzdem ist Offenheit zeigen nie falsch, vor allem wenn es um banalere Sachen geht. Ich zumindest habe sehr viel aus dieser Lektion gelernt und gehe jetzt völlig anders mit Menschen um, auch mit solchen, die mich nicht ausstehen können.

Also, überleg einmal ob du auch einen Perspektivenwechsel nötig hast. Setze dich mal mit der Person, die dich nicht mag zusammen mit dem aktiven Ziel Gemeinsamkeiten zu finden und zu versuchen den Standpunkt des Anderen zu verstehen. Denn ich versichere dir, in den meisten Fällen hast du es mit einem menschlichen Wesen zu tun, welches genauso Fehler macht beziehungsweise einfach nur andere Werte hat als du.

Wir lernen, wenn wir uns aus unserer Komfortzone herauswagen. Wir lernen, wenn wir uns mit Leuten umgeben, die auch eine völlig andere Einstellung haben. Solange wir respektvoll miteinander umgehen und den Anderen verstehen wollen, ist, finde ich diese Lektion in diesem Artikel einer der wertvollsten, aber auch schwersten im Leben.

Wenn du jetzt eine Person aussuchen müsstet, deren Meinung oder Lebenseinstellung eurer so gar nicht entspricht, würdest du dich trauen ein Gespräch mit ihm oder ihr zu führen?

Meine Challenge: Tu es einfach, schau was dabei rauskommt.

Deine Evelin.


Source von dem Header-Bild: https://www.ted.com/talks/dylan_marron_empathy_is_not_endorsement

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