International Culture Day

von Evelin Balogh

„Warum kannst du Deutsch wenn du aus Österreich kommst?“

„Liegt Ungarn in Europa?“

Das sind Fragen, die mich einige meiner Mitschüler in meiner irischen Schule bei unserem International Culture Day gefragt haben. Ich war zuerst verwirrt, wie kann man in Europa leben und so wenig Ahnung vom Festland haben? Doch dann wurde mir etwas klar.

Als ich am ersten Schultag in das große graue Genbäude mit den grünen Fensterrahmen spazierte traf es mich wie ein Schlag. Iren, Iren überall. Das klingt vielleicht komisch. „Aber Evelin du bist doch nach Irland und du bist überrascht, dass du dort Iren findest?“ Nein, was ich meine ist, dass ich Wochen gebraucht habe, die Leute auseinander zu halten, vor allem die Jungs. Die Schuluniformen haben da auch nicht wirklich geholfen. Helle Haut, dunkle Haare, blaue und grüne Augen. Ich war perplex und mir wäre fast ein „wo sind alle Ausländer?“ herausgerutscht. Unsere Schule hier ist um so viel bunter, multikultureller. Ich habe es immer für selbstverständlich gehalten, mit anderen Kulturen tagtäglich in Verbindung zu kommen, zu lernen und sich auszutauschen. Zweisprachigkeit (abgesehen von Irisch, oder Gaeilge, wie sie die Sprache nennen) war selten. In meiner Klassengruppe gab es außer uns Austauschschülern maximal zwei, die zuhause noch eine andere Sprache sprachen. Könnt ihr euch das vorstellen?

Klar, mit der Zeit habe ich mich besser eingelebt, habe meine Mitschüler_innen kennengelernt und auch die Unterschiede gesehen. Natürlich waren sie nicht alle Iren, aber von den 900 Schüler_innen an der Schule waren vielleicht 15% mit einer anderen Kultur aufgewachsen. Bei uns ist das eher das dreifache.

Nun, warum ist all dies wichtig? Naja, zumindest mir wurde dadurch einiges klar. Warum sich Mühe machen andere Kulturen, andere Traditionen kennenlernen, wenn man eh nicht mit ihnen in Berührung kommt? Ich will jetzt auf keinen Fall verallgemeinern, sagen, dass alle Iren ignorant sind. Aber diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie wertvoll ein kunterbuntes Durcheinander ist und als unser Direktor in meiner irischen Schule kundtat, dass wir einen International Culture Day haben werden, habe ich mich sofort gemeldet. Es war eine Chance, meine Herkunft zu teilen und andere Kulturen zu feiern. Wir haben Stände in der assembly hall, unserer Aula, aufgestellt und ich war überrascht, dass wir doch einige waren. Vielleicht hat es auch zur Sache beigetragen, dass es Austauschschüler_innen aus Spanien, Katalonien, Frankreich und Österreich gab, die mitgemacht haben. Andere waren verwundert, dass an meinem Tisch nicht die österreichische Flagge hing, aber da eine Freundin eine „echte“ Österreicherin war habe ich ihr das überlassen.

Bevor ich nach Irland gegangen bin waren meine ungarischen Wurzeln unwichtig. Sie waren ein Teil von mir, ich habe mich über dieses Geschenk gefreut, habe es aber nie wirklich wertgeschätzt, bis zu meinem Aufenthalt in Irland. Ich hatte plötzlich das Verlangen, mehr über die Kultur zu erfahren, mit der ich so beiläufig aufgewachsen bin. Ich war begeistert, wollte diese Begeisterung teilen.

Ich verließ Irland mit einer tiefen Wertschätzung für eine multikulturelle, bunte, abwechslungsreiche Gesellschaft und ob ihr es glaubt oder nicht, ich hätte vor Freude fast heulen können als ich zum ersten Mal wieder in Wien unterwegs war und all die fremden Sprachen um mich herum gehört habe.

Eure Evelin


Beide Bilder sind am International Culture Day entstanden und auch auf dem Twitter Account und der Website meiner irischen Schule, Portmarnock Community School, zu finden, falls ihr noch mehr darüber lesen wollt.

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